Mode & Emanzipation: đŸ‘©â€đŸ« Der Weg zur weiblichen Selbstbestimmung

Emantipation in der Modewelt Emantipation in der Modewelt

Die Geschichte der Mode ist immer auch eine Geschichte der Emanzipation. Das 20. Jahrhundert ist dabei maßgeblich: Nie zuvor und nie danach hat sich das Frauenbild so sehr gewandelt. Dies sind die Meilensteine der modischen Revolution! 

Kampf dem KorsettKampf dem Korsett

1906: Kampf dem Korsett

Um 1900 bestimmt die Sanduhr-Silhouette die Mode der Zeit: Üppiger Busen, schmale Taille, ausladende HĂŒften – so haben Damen damals auszusehen. Um diesem Modetrend zu entsprechen, schnĂŒren sich die Frauen ins Korsett. Das formt zwar eine schlanke Körpermitte, nur leider lĂ€sst es der TrĂ€gerin kaum Luft zum Atmen, kaum Handlungsspielraum. Kurz: Dieser Modetrend spiegelt die gesellschaftliche Stellung der Frau nur zu gut wider.

Das Ă€ndert sich 1906, als der Couturier Paul Poiret – inspiriert von den NackttĂ€nzerinnen Isadora Duncan und Mata Hari - ein Kleid namens „La Vague“ entwirft: Der Rock setzt direkt unter der Brust an und fĂ€llt weich bis zum Boden herab, ganz ohne eingeschnĂŒrte Taille, und sichtlich ohne ÂŹKorsett. Eine Moderevolution, der die Damen von Welt gerne folgen. Endlich können Sie befreit aufatmen, entspannt essen und sich bequem setzen. Auch wenn Paul Poiret die neue Linie nur erfindet, weil sie seiner eigenen Ästhetik entspricht, und weniger fĂŒr die Damen selbst, so gilt er als erster Befreier der Frauen, und die Emanzipation der Mode nimmt ihren Lauf.

Stimmen der Zeit:

❝Ich habe dem Korsett den Kampf angesagt.❞
(Paul Poiret)

❝Das Kleid muss den Linien des Körpers folgen, und wenn die TrĂ€gerin lĂ€chelt, muss das Kleid mit ihr lĂ€cheln.❞
(Madeleine Vionnet, Erfinderin des SchrÀgschnitts und Meisterin der Drapierungen)

Politische & gesellschaftliche Meilensteine

19.3.1911: Der erste Internationale Frauentag wird gefeiert (heute: 8.3.).

Nov. 1918: Das Frauenwahlrecht tritt in Kraft.

20er bis 50er: Mode Emanzipation a la Chanel20er bis 50er: Mode Emanzipation a la Chanel

20er-50er Jahre: Mode-Emanzipation Ă  la Chanel

WĂ€hrend Poiret den weiblichen Körper lediglich vom Korsett befreite, gibt Coco Chanel den Frauen ihre Beweglichkeit zurĂŒck. Steife Stoffe und einengende Schnitte findet man in ihrer Mode vergebens. Sie ist die Erste, die mit Jersey experimentiert und bereits 1913 bequeme Sportmode, dann Freizeithosen und schließlich KostĂŒme aus dem weichen, anschmiegsamen Material schneidert. Seitdem ist Jersey aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken. Die Schnitte entsprechen dem androgynen Look der 20er Jahre mit fließenden Silhouetten und Röcken in KnielĂ€nge, mit denen man rennen, springen und tanzen kann. 1926 krönt die Grande Dame diesen Look mit dem kleinen Schwarzen.

WĂ€hrend und nach dem Zweiten Weltkrieg kommt die Mode-Emanzipation zum Stillstand und die Silhouette findet zurĂŒck zur Sanduhr-Form, allen voran dank Christian Dior. Der Couturier zwingt die Frauen Ende der 40er Jahre mit seinem „New Look“ zurĂŒck ins Korsett – wer hĂ€tte gedacht, dass die Frauen das mitmachen? Aber nach den entbehrenden Kriegsjahren sehnen sich die Damen einfach nur nach Weiblichkeit, Sorglosigkeit und einen Hauch von Luxus. Coco Chanel kann diesen RĂŒckschritt in der modischen Emanzipation kaum ertragen: 1954 entwirft sie das berĂŒhmte Chanel-KostĂŒm aus leichtem Tweed-Stoff, mit knielangem Rock und kastiger, legerer Jacke – damit setzt sie erneut einen Modetrend, der Weiblichkeit und Bequemlichkeit vereint.

Stimmen der Zeit

❝Mode ist nicht etwas, das nur in Kleidern existiert. Mode liegt in der Luft. Sie hat etwas zu tun mit Ideen, mit der Art, wie wir leben, was um uns geschieht.❞
(Coco Chanel)

❝Ich befreie Frauen von der Natur.❞
(Christian Dior)

Politische & gesellschaftliche Meilensteine

1949: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wird im Grundgesetz verankert.

1952: Das Mutterschutzgesetz wird beschlossen.

Siegeszug der Hose in den 30ernSiegeszug der Hose in den 30ern

30er-60er Jahre: Der Siegeszug der Hose

Lange ist die Hose fĂŒr die Frau ein absolutes Tabu. Sie entspricht nicht den sittlichen Vorstellungen der Gesellschaft und der Kirche. Zwar dienten Hosen wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs den Frauen als Arbeitskleidung in den Fabriken und bei der Landwirtschaft. Auch im Sport, zum Beispiel beim Reiten, oder als Strandbekleidung wurde die Hose durchaus toleriert. Aber erst in den 1930er Jahren gelingt es Modeschöpferinnen wie Coco Chanel oder Filmstars wie Katherine Hepburn, die Hose salonfĂ€hig zu machen. Marlene Dietrich kreiert gar ihren gesamten Look um den Herrensmoking mit Zylinder.

Auch wenn die Mode im Dritten Reich und nach 1945 in Sachen Emanzipation stagnierte, so ist die Hose nie wieder ganz von der BildflĂ€che verschwunden. Audrey Hepburn wird als „SĂŒĂŸer Fratz“ (1957) zum It-Girl in Caprihosen und der Couturier Yves Saint Laurent macht den Hosenanzug fĂŒr die Frau endgĂŒltig zum modischen Must Have der 1960er Jahre. SpĂ€testens mit dem Siegeszug der Jeans 1971 ist die Hose aus dem weiblichen Kleiderschrank nicht mehr wegzudenken und hat ihren festen Platz in der Modegeschichte.

Stimmen der Zeit

❝Ein MĂ€dchen in Overalls zu stecken ist genauso, als ließe man sie in Strumpfhosen arbeiten, speziell wenn ein MĂ€dchen sie richtig zu tragen weiß.❞
Marilyn Monroe)

❝Coco Chanel gab den Frauen Freiheit, Saint Laurent gab ihnen die Power.❞
(Pierre Bergé, LebensgefÀhrte von Yves Saint Laurent)

Politische & gesellschaftliche Meilensteine

1957: Der Gehorsamkeitsparagraph, wonach Frauen ihren EhemĂ€nnern gehorchen mĂŒssen, wird aus dem Gesetz gestrichen.

1958: Frauen dĂŒrfen ohne Erlaubnis des Ehemanns ihren FĂŒhrerschein machen.

60er Jahre: Der Mini macht Mode60er Jahre: Der Mini macht Mode

60er Jahre: Der Mini macht Mode

Der grĂ¶ĂŸte Umbruch in der Geschichte der Mode findet allerdings in den 60er Jahren statt. Die Jugendbewegung rebelliert gegen die ZwĂ€nge und Regeln der Elterngeneration, und das zeigt sich auch in der Mode. Street Fashion hĂ€lt Einzug in die Haute Couture und Yves Saint Laurent ist der erste, der 1960 schwarze Rollkragenpullis und Lederblousons auf den Laufstegen zeigt, so wie die Jugend auf der Straße sie trĂ€gt.

Der wichtigste Modetrend der 60er Jahre ist jedoch der Minirock. Die junge EnglĂ€nderin Mary Quant schiebt 1960 den Rocksaum bis weit ĂŒbers Knie hinauf und sorgt fĂŒr einen Aufschrei bei d er Elterngeneration und einen Freudenschrei bei deren Töchtern. Kombiniert mit farbigen Strumpfhosen und Stiefeln entspricht der Look ganz den freiheitsliebenden Vorstellungen der jungen Leute, fernab der elterlichen Eleganz. Die Revolution der Jugend hat die Modegeschichte erreicht – und das Diktat der Haute Couture mit seinen strengen Regeln fĂŒr die Dame von Welt fĂ€llt. FĂŒr immer.

Die Stimmen der Zeit

❝Ich wollte mich immer in den Dienst der Frauen stellen. Ihnen dienen. Ich wollte sie bei ihrer großen Befreiungsbewegung begleiten, die das vergangene Jahrhundert geprĂ€gt hat.❞
(Yves Saint Laurent)

❝Nur durch Stiefel mit flachen AbsĂ€tzen bleibt man in Kontakt mit der Erde und der Wirklichkeit.❞
(André CourrÚges, Erfinder der Kombination: Minirock, Strumpfhose, Stiefel)

Politische & gesellschaftliche Meilensteine

1960: Die Antibabypille kommt auf den Markt.

1962: Frauen dĂŒrfen ein eigenes Bankkonto haben.

70er Jahre bis heute: Erlaubt ist, was gefÀllt. Laufsteg Models70er Jahre bis heute: Erlaubt ist, was gefÀllt. Laufsteg Models

70er-heute: Erlaubt ist, was gefÀllt

Die Mode von heute ist so individuell wie nie, und sie nimmt ihren Anfang in den 70ern. Von Schlaghose bis Hot Pants, von Punk bis Business, von bauchfrei bis BH-frei – in den kommenden Jahrzenten fĂ€llt ein modisches Tabu nach dem anderen. Frauen werden mehr und mehr selbstbestimmt in ihrem Auftreten und dĂŒrfen sich kleiden, wie sie wollen. Zumindest modisch haben sie alle Freiheiten und mĂ€nnliche Attribute wie Jeans, Turnschuhe oder Oversize-Schnitte werden zum festen Bestandteil der Modegeschichte.

Die Emanzipation der Mode zeigt, wie schwierig und langwierig der Weg der Frau hin zur Selbstbestimmung war. Denn Mode und Gesellschaft sind immer miteinander verbunden. Auch wenn die gesellschaftliche Gleichberechtigung noch fern ist, in der Mode lautet das Motto mehr denn je: Trage, was dir gefĂ€llt! Jede Frau kann ihren eigenen Stil entwickeln und sich aussuchen, was ihr steht und wofĂŒr sie steht. Und diese Errungenschaft sollten wir feiern. Jeden Tag!

Stimmen der Zeit

❝INiemals war die Mode aufregender als heute.❞
(Donatella Versace)

❝IDer Mode entkommt man nicht. Denn selbst wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.❞
(Karl Lagerfeld)

❝Kleidung wird die Welt nicht verĂ€ndern, die Frauen, die sie tragen, werden es tun.❞
(Anne Klein)

Politische & gesellschaftliche Meilensteine

1976: Ein Schwangerschaftsabbruch bleibt unter bestimmten Voraussetzungen straffrei.

1977: Abschaffung der „Hausfrauenehe“ – die Frau ist nicht mehr gesetzlich verpflichtet, den Haushalt zu fĂŒhren. Der Ehemann darf die Anstellung der Gattin nicht kĂŒndigen.

1994: Der Staat ist verpflichtet, die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu fördern.

1997: Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar.

2007: Gesetz zu Elterngeld und Elternzeit tritt in Kraft.

2019: In Berlin wird der Weltfrauentag zum Feiertag, 2023 auch in Mecklenburg-Vorpommern.

Kompakte Zusammenfassung aller Punkte:

  • Der Couturier Paul Poiret entwirft 1906 erstmals ein Kleid ohne Korsett: La Vague.

  • Coco Chanel kreiert fĂŒr die Damen bequeme Haute Couture-Modelle aus Jersey.

  • Die Hose fĂŒr die Frau sorgt in den 30ern fĂŒr Aufsehen, etabliert sich aber erst in den 70ern als fester Bestandteil der weiblichen Garderobe.

  • Das berĂŒhmte Chanel-KostĂŒm aus bequemem Tweed wird 1957 das GegenstĂŒck zu Christian Diors einengender „New Look“-Linie.

  • 1960 erfindet die EnglĂ€nderin Mary Quant den Minirock.

  • Die Jugendbewegung der 60er revolutioniert die Mode und stĂŒrzt das Diktat der Haute Couture.

  • Erlaubt ist, was gefĂ€llt: Die Emanzipation der Mode ermöglicht es den Frauen, ihren eigenen Stil zu entwickeln und sich selbstbestimmt zu kleiden.

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